Aus der Vereinsgeschichte der DJK Tiefenthal

DIE DJK ALS ABTEILUNG DES RADFAHRVEREINS GERMANIA TIEFENTHAL

Die DJK Tiefenthal wurde erstmals am 28. August 1929 durch den damaligen Seelsorger von Tiefenthal, Kaplan Rauch, gegründet. Warum er ausgerechnet einen DJK Verein ins Leben rief, darüber kann man heute nur noch Vermutungen anstellen. Sicher ist, dass in die Zeit nach dem 1. Weltkrieg die Gründung der DJK allgemein fällt. Der DJK-Gedanke fand in diesen Jahren, nach den Schrecken des Krieges, eine nicht kleine Zahl von Anhängern. So war es von den Begründern ja eigentlich auch gedacht. DJK! Das heißt heute ganz einfach Deutsche Jugendkraft. Damals bedeutete es viel mehr. Nämlich der deutschen Jugend wieder Kraft geben. Kraft dazu, mit einem gesunden Geist in einem gesunden Körper den Aufstieg aus der damaligen Armut zu schaffen. In diese Zeit fiel also auch die Erstgründung der DJK Tiefenthal. Sie schloss sich damals dem Radfahrverein Germania Tiefenthal an und nannte sich Sportabteilung DJK des Radfahrvereins Germania Tiefenthal.
Vorstand des Radfahrvereins war zu dieser Zeit Josef Neßwald.

Die Vorstandsmitglieder der DJK waren:         
 
Otto Stumpf       1. Vorstand
Anton Stumpf     Kassier
Emil Schraut      Schrift- und Spielführer
Gustav Lang      Turnwart
Josef Stumpf      Ballwart für Faustball
Karl Müller         Ballwart
Alfred Weißkopf  Schiedsrichter
 
Bei der Generalversammlung am 19.01.1933 wurden für 1 Jahr gewählt:  
Theodor Kern    1. Vorstand
Anton Stumpf    Kassier
Emil Schraut     Schrift- und Spielführer
Otto Schäbler   Ball- und Gerätewart
Vinzenz Kaufmann    Vereinsdiener
 

Der damaligen Sportabteilung DJK blieb allerdings keine lange Zeit des Wirkens. Schon 1933 wurde der Verein, wie die Sportverbände und die DJK überhaupt, von den Nationalsozialisten verboten. Wahrscheinlich wurden unter dem politischen Druck die meisten Unterlagen vernichtet. Allein so lässt es sich erklären, dass aus dieser Zeit nur sehr wenige Dokumente erhalten geblieben sind.
Aus einem dieser Schriftstücke, und zwar aus einer Einladung zu einem Jugendsonntag mit Sommerfest am 27. Juli 1930, kann man entnehmen, dass die sportliche Betätigung in unserem Verein sehr vielseitig gewesen sein muss. Es wurden damals ausgetragen:

 

1.  Fußballspiel Tiefenthal - Esselbach
2.  Faustballspiel Tiefenthal - Remlingen
3.  Reigen ausgeführt von 16 Knaben
4.  Reigen ausgeführt von 16-24 Mädchen
5.  Schlagballspiel Tiefenthal - Homburg
6.  Wettkämpfe in Hoch-, Weit-, Hochweitsprung, Kugelstoßen, 75-m-Lauf, Staffettenlauf,

       Turnübungen am Reck und Pyramiden

UND DANN – NACH DEM KRIEG?

Die Situation der 50er Jahre in Tiefenthal:
Man hätte nun annehmen können, dass in der Zeit des allgemeinen Wiederaufbaus, auch die Vereine zu neuem Leben erwachen würden. Mancherorts geschah dies auch nach einer gewissen Zeit. Nicht so in Tiefenthal. Um verstehen zu können, warum in Richtung Vereinswiedergründung nichts geschah, muss man sich die gesellschaftliche und soziale Situation in Tiefenthal ansehen. Die Bevölkerung bestand zu 95 % aus Klein- und Kleinstlandwirten. Es gab nur sehr wenige, die als Arbeiter oder Beamten ihr Geld verdienten. In den meisten Häusern waren noch Flüchtlinge untergebracht. Das wichtigste damals war, sich und die Seinen über Wasser halten zu können. In diesem Umfeld kam, außer ein paar kleineren Veranstaltungen, wie z.B. mal ein Fußballfreundschaftsspiel oder ein gemeinsames Theaterstück, kein Vereinsleben auf.
Gegen Ende der 50er Jahre konnte man aber dann doch schon Anzeichen dafür erkennen, dass ein Verein in Tiefenthal einfach notwendig wäre. Aber es fehlte jemand, der den Stein ins Rollen bringen würde, es fehlte einfach der Motor und der zündende Funke.

Unser Gründungsmitglied und heutiger Ehrenvorsitzender Heinz Neßwald erinnert sich

Nach vielen vergeblichen Versuchen in den 50er Jahren, in Tiefenthal einen Verein irgendwelcher Art zu gründen („Ach hör doch uff, in Deftl geht ja doch nes zam!“), wagte Pfr. Bußmann wieder einmal einen Versuch. Er war es, der auf Grund seiner Erfahrung in anderen Gemeinden, das große Defizit erkannte, dass in Tiefenthal keinerlei Möglichkeit bestand vor allem der Jugend ein sinnvolles Angebot zur Freizeitgestaltung zu machen. Er suchte mit einigen interessierten Jugendlichen das Gespräch und machte verschiedene Vorschläge, die dann sehr heiß diskutiert wurden. Vor allem sein Vorschlag, eine DJK zu gründen, stieß auf unser größtes Interesse. Außer mir, hatte noch niemand die Bezeichnung DJK gehört. Mir war sie bekannt, weil mein Arbeitskollege Walter Jeßberger aus Röttbach sehr erfolgreich in der dortigen DJK Tischtennis spielte und mir immer davon erzählte. Mein besonderes Interesse war also geweckt und es gelang mir, die Mehrheit der Interessierten von dieser Idee zu überzeugen. Pfr. Bußmann erteilte uns den Auftrag, zu überlegen, wer im Dorf als junger Erwachsener für diese Idee zu gewinnen sei, denn es müsste ja eine möglichst zuverlässige und starke Vereinsvorstandschaft gefunden werden, die bereit war, dieses Abenteuer mit einzugehen. Nach mehreren Gesprächen, war mein Bruder Erich bereit, sich zur Verfügung zu stellen, vorausgesetzt, dass sich Lehrer Walter Veith, der sehr gerne Tischtennis spielte, auch für ein Amt zu Verfügung stellte. Außerdem sollte ich selbst dabei sein und noch einige andere Personen suchen, die mit ins Boot stiegen. Pfr. Bußmann war hocherfreut, als er hörte, dass sich der uns erteilte Auftrag als erfolgversprechend abzeichnete. Er selbst hatte bereits mit der DJK-Diözesanführung Kontakt aufgenommen und einen Informationstermin in Tiefenthal vereinbart.

Nach der Erkundung der Interessen und Feststellung vor allem der räumlichen Möglichkeiten in unserer Gemeinde, wurde dem Tischtennissport die größte Chance auf einen längerfristigen Erfolg eingeräumt. Als erstes wurde also mit Max Stumpf (Hirschenwirt) gesprochen, ob er zumindest für den Anfang seinen Saal zur Verfügung stellen würde, was er auch ohne zu zögern zusicherte. Dann machten wir uns daran, erst einmal das Drumherum des Tischtennisspiels kennen zu lernen. Also wie groß ist eine Tischtennisplatte und welcher Platz wird zum Spiel benötigt. Keiner von uns Jugendlichen hatte jemals einen Tischtennisschläger gesehen, geschweige denn, in der Hand gehalten. Also mussten wir uns in der näheren Umgebung bei einem vorhandenen Verein einmal umsehen. Oswald Schulz hatte verwandtschaftliche Beziehungen nach Rettersheim, wo sein Vater herstammte. Rettersheim war schon damals eine der Tischtennishochburgen im unserer Gegend. Also machte ich mich kurzentschlossen mit ihm an einem Sonntagvormittag nach dem Gottesdienst in meiner BMW-Isetta (liebevoll „Knutschkugel" genannt) auf den Weg nach Rettersheim. Tischtennis wurde in Rettersheim ebenfalls im Saal einer Gastwirtschaft „Zur Linde" gespielt, (Verwandtschaft von Oswald Schulz). Hier sah ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Tischtennisspiel im Trainingsbetrieb und war sofort begeistert. Vom Lindenwirt (ein Cousin von Oswald) erfuhren wir, dass bei einem Landwirt in Rettersheim noch eine selbstgezimmerte Tischtennisplatte aus der Gründungszeit des TTC Rettersheim in der Scheune steht. Er versprach, sich zu erkundigen und dann Oswald Bescheid zu geben. Der Bescheid fiel positiv aus und wir konnten die Platte zu einem sehr günstigen Preis (ich glaube es waren 10,— DM) erwerben. Umgehend machte sich Oswald mit seinem Schlepper, Anhänger und zwei Helfern auf den Weg nach Rettersheim um die Platte abzuholen. Das die Platte bei dem Landwirt Behl als Abgrenzung eines Futtersilos eingesetzt war, interessierte uns wenig. Sie war zwar sehr überholungsbedürftig, aber wir waren froh und glücklich, dass wir für wenig Geld einen Beginn starten konnten. Die Platte transportierten wir direkt in Willi Schäblers Schreinerwerkstatt um sie fachgerecht aufzuarbeiten. Willi stellte fest, dass die Platte aus Nut und Feder-Fußbodendielen gefertigt war und sich eine Renovierung durchaus noch lohnte. In den nächsten Tagen wurde nach Feierabend in Willis Werkstatt eifrig geschliffen, gestrichen und die erforderlichen Untergestelle hergestellt. Binnen einer Woche war die Arbeit geschafft und die Platte konnte (fast wie neu) in den Hirschensaal transportiert werden. Eine zweite Platte wurde von Willi in zweigeteilter Form mit entsprechendem Unterstell neu hergestellt und von Armin Schraut mit viel Zeitaufwand fachgerecht lackiert. Nachdem noch zwei Netze angeschafft waren, holten wir uns sportliche Beratung bei unserem Nachbarverein aus Remlingen. Walter Jakob, Vorsitzender des dortigen TT-Clubs und selbst aktiver Spieler kam zum Hirschenwirt und machte uns erst einmal mit den wichtigsten Regeln bekannt. Das neben einem TT-Schläger auch Sportschuhe benötigt werden, war seine Forderung an jeden interessierten Neusportler. Er organisierte eine kleine Musterauswahl an Schuhen und Schlägern, die beim Hirschenwirt präsentiert wurden. Mit seiner fachlichen Beratung traf jeder seine Entscheidung und eine Sammelbestellung wurde auf den Weg gebracht. Sehnsüchtig warteten wir alle bis wir wohlausgerüstet, endlich mit dem Training beginnen konnten. Auch hierbei leistete uns Walter Jakob große Starthilfe und kam mehrmals zum Training vorbei, um aus seiner langjährigen Spielpraxis entsprechende Techniken und Regeln zu vermitteln. Bereits im Herbst 1960 traten wir nach seiner Vermittlung zum ersten Freundschaftsspiel gegen Remlingen, an. Das Spiel ging natürlich mit einem zu Null-Ergebnis für Remlingen aus. Die DJK konnte nur einen einzigen Satz durch Oswald Müller gegen ausgerechnet Walter Jakob gewinnen. Selbst dieser Satz auf den wir überaus stolz waren, wurde uns von Spielleiter Jakob aberkannt, weil Oswald mit regelwidrigen verdeckten Aufschlägen gespielt haben soll. Trotzdem waren wir stolz auf unsere Ergebnisse, denn jeder einigermaßen schöne Ballwechsel wurde mit riesigem Beifall unserer Fangemeinde belohnt.

 

So verbrachten wir mit ständigem Training das erste Winterhalbjahr bis zur offiziellen Gründungsveranstaltung am 06. Januar 1961. Auf Vermittlung von Pfr. Bußmann versammelte sich nach der Nachmittagsandacht des Dreikönigstages (so was gab es auch einmal) eine große Bevölkerungsgruppe im Saal vom Hirschenwirt. Aus Schweinfurt war der damalige Diözesanvorsitzende Ambros Baumann angereist. Er verstand es, im bis auf den letzten Platz besetzten Hirschenwirt, so viel Begeisterung aus der Geschichte, den Zielen und dem tieferen Sinn und Zweck der DJK zu erzeugen, dass aus der geplanten Informationsveranstaltung eine Gründungsversammlung für einen neuen Verein wurde.

Von den Anwesenden erklärten spontan 70 Personen ihre Mitgliedschaft zur DJK. Noch am gleichen Tag wurde eine komplette Vorstandschaft gewählt. Es waren dies:

1. Vorsitzender

2. Vorsitzender

Kassier

Schriftführer

Sportwart

Geistlicher Beirat

Erich Neßwald

Walter Veith

Engelbert Müller

Heinz Neßwald

Artur Schmidt

Pfr. Otto Bußmann

DIE

DJK TIEFENTHAL

WAR

GEBOREN


Das erste Verbandsrundenspiel fand im Herbst 1961 bei der DJK Röttbach an einem Samstagabend statt und wurde von einer großen Fangemeinde begleitet. Im dortigen Wirtschaftssaal, war praktisch kein Platz unbesetzt.
Das erste Verbandsspiel unserer DJK, das gewonnen wurde fand in Hofstetten statt. Hofstetten war damals von uns aus nur mit einer Schelchfahrt über den Main zu erreichen. Wir mussten also zuerst mit dem dortigen Fährmann telefonieren, dass er uns zu einer bestimmten Uhrzeit auf der Hofstetten gegenüberliegenden Mainseite in Langenprozelten mit seinem Ruderboot abholte. Neben dem normalen Fährlohn war natürlich eine Brotzeit mit einigen Flaschen Bier fällig, denn er musste ja so lange in der dortigen Wirtschaft warten bis das Spiel zu Ende war und uns dann wieder über den Main zurückbringen. Dieses Spiel fand an einem Samstag-Abend in der Faschingszeit 1962 statt. An diesem Abend war im damals neu erbauten Saal des Engelwirts eine Tanzveranstaltung, die wir natürlich sofort besuchten. Als bekannt wurde, dass wir den ersten Sieg für unsere DJK erzielt hatten, war natürlich die Hölle los. Wenn wir alle Einladungen zu einem Barbesuch angenommen hätten, wären wir bestimmt mehrere Tage betrunken gewesen. Auch die Heimfahrt in meinem kleinen PKW Fiat 770 und die vorangegangene Bootsfahrt über den Main waren vor überschäumender Freude nicht unproblematisch. Sogar unser hartgesottener Fährmann musste sehr lautstark einschreiten, um seinen Schelch vor dem kentern zu bewahren. Den ersten Sieg haben erspielt: Brönner Gerhard, Müller Oswald, Neßwald Heinz und Stumpf Arnold.

 

Für unser schönes Dorf Tiefenthal und vor allem für uns, die sportbegeisterte Jugend, waren dies unvergessliche Erlebnisse, die sich allerdings im Laufe der 50-jährigen Vereinsgeschichte immer mehr normalisierten und heute fast kaum mehr zur Kenntnis genommen werden. LEIDER

Tiefenthal, im Februar 2011                                                                             Heinz Neßwald

Jede Zeit hat ihre besonderen Erlebnisse. Sie sind wie Pfeiler, über die sich

die Brücke in die Gegenwart bauen lässt.
Diese Schilderung soll dem „Vergessen“ nachhaltig entgegenwirken.